Von Snowpark Architekten und Freestyle Generationen im Snowpark Gstaad
publiziert: Freitag, 7. Mrz 2014 / 09:36 Uhr / aktualisiert: Freitag, 7. Mrz 2014 / 10:33 Uhr
Snowpark Gstaad
Snowpark Gstaad

«Spass haben - das ist der einzige Trick, den ich machen möchte.» (Nick Fehr, Snowboarder)

Darin sind sie sich die Snowboarder und Freeskier einig, die sich am 22. und 23. Februar 2014 im Snowpark Gstaad zum Film und Foto Action-Shooting versammelten. Mindestens zwei Generationen von Ridern haben sich eingefunden. Unter ihnen die «alten Hasen», die quasi seit der Entstehung des Freestyle mit dabei sind, genauso wie die Young Guns, die neben dem Spass doch auch mit sehr viel Ernst bei der Sache sind - gehen sie doch zum Teil sogar auf Freestyle Schulen. Mitten in diesem Wirrwarr aus Freeskiern und Snowboardern sitzt ein relaxter Parkdesigner namens Stefan Morocutti und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Wer den verantwortlichen für das Design und den Aufbau des Snowpark Gstaad kennt, der weiss, dass dieser Schein oft mal trügen kann. Denn obwohl Steff den Freestyle im eigentlichen Sinne des Wortes lebt, steckt unter dem Beanie und hinter der Sonnenbrille ein stets wacher Geist, der nichts dem Zufall überlässt. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen des Snowpark Gstaad und des Shooting-Wochenendes gewagt und dabei mehr als «nur» zwei Action Clips und eine Foto-Gallery gefunden.

Stefan Morocutti - der Snowpark-Architekt

Anders als woanders stehen die Elemente nicht einfach nur in Reih und Glied hintereinander auf 3 oder 4 verschiedene Lines verteilt. Oft stehen zwei Elemente nebeneinander, sodass man selbst entscheiden kann, welches man wählt, oft gibt es verschiedene Möglichkeiten sie zu fahren, zu bonken oder zu springen. Doch was verfolgt Steff mit seinem ausgefallenen System? Fragen wir ihn doch am besten selbst: «Ich möchte eigentlich einen Park bauen, in dem man nicht nur Lines fährt, sondern in dem man bunt gewürfelt durcheinander fahren kann. Also ich möchte von dem linearen Konzept wegkommen, das unsere Parks in Europa derzeit verfolgen. Ich versuche die Dinger so aufzubauen, dass man sie von mehreren Seiten fahren kann. Zum Beispiel die Brücke. Du kannst die Brücke queren, die Corner normal springen oder von der Corner auf die Brücke hinauf und so weiter. Ich möchte, dass die Leute dann eben auch - selber entdecken, was man noch machen kann, auch wenn wir das gar nicht so vorsehen. Da will ich hin - es ist meine Zukunft, dass die Parks die Linearität verlieren und ein Spielplatz werden. Dass wir wieder zurückkommen zum ursprünglichen Snowboarden und zur Kreativität!» Und die zusätzliche Arbeit scheut er natürlich nicht, genauso wenig seine Shapecrew, die den Take-Off dann nicht nur am oberen Ende des Features bauen und shapen muss, sondern eben auch an allen anderen erdenklich möglichen Stellen, von denen aus man es eventuell fahren könnte.

Diese, sagen wir doch einfach «Freestyle-Parkgestaltung», erfordert natürlich auch die entsprechende Planung, denn «... man muss ja den Platz schaffen, damit ich von der einen zur anderen Line fahren kann und ich muss die Elemente zueinander berücksichtigen.» Daher werden die ausgefallenen Elemente, wie die Brücken-Corner-Kicker-Combi, das Iglu, der als Getränke-Bar und Corner dient, erst einmal gründlich skizziert und im Team besprochen. Erst wenn alles genau aufgezeichnet und ausgemessen ist, setzt sich Steff in den Bully und beginnt mit der Umsetzung seiner aussergewöhnlichen Kreationen, natürlich stets darauf bedacht, den Wünschen und Anforderungen der Kunden und der Rider zu entsprechen: «Wir haben ja vom Kunden einen gewissen Auftrag. Also die Bergbahnen wünschen ja zum Beispiel, dass wir für jeden ein Angebot schaffen und vielleicht nicht nur für die Pros. Daher versuche ich möglichst viele kreative Elemente zu bauen, die allerdings auch in den Rahmen unseres Auftrags passen und gleichzeitig viele Variationen bieten und jedem Spass machen.» Und was sagt das Schweizer Urgestein Simon Abt dazu, der seines Zeichens auch noch als Architekt seine Brötchen verdient? «Für mich spielt auch das Auge immer ein bisschen mit und der Snowpark Gstaad ist eigentlich immer sehr schön. Die Crew gibt sich hier immer Mühe, dass alles schön abgestochen ist und gut aussieht.» Das lockt die gesamte Freestyle Szene des Berner Oberlands in den Snowpark Gstaad. Ob jung oder «alt» - im sportlichen Sinne - jeder geniesst den stets perfekt geshapten Park: «Es gibt viele kleine Gruppen, die hier miteinander fahren. Darunter sind viele junge - wie zum Beispiel die »Freestyle Jürgs« - aber eben auch ein paar ältere.», weiss Nico Höckel zu berichten. Und wenn ein Shooting am Programm steht, dann sind immer alle zur Stelle: «Das liegt vielleicht daran, dass es nicht so viele gute Parks gibt in der Gegend. Alle aus der Region, die freestylen wollen, kommen hier her.»

Shooting-Extra-Schicht

Als sich der erste Shooting-Tag zu Ende neigt, macht sich bei der Shapecrew langsam etwas Nervosität breit, denn für den kommenden Sonntag ist zwar Blue Bird angesagt, allerdings sollen nachts 10 cm Schnee fallen, die aus dem Park entfernt werden müssen, bevor es mit dem Shooting weitergehen kann. Die von den vergangenen Tagen schon etwas gezeichneten Jungs machen sich also ohne weitere Umwege auf den Weg - ins Bett - denn bereits um halb 5 Uhr morgens ist wieder Tagwache! Und dieser Einsatz wird ihnen von den Protagonisten des Shootings auch hoch angerechnet: «Der Park ist klein, aber für die Grösse super-gut gemacht. Es gibt sehr viele kreative Sachen und er ist wirklich cool zum Fahren. Der Park wird jeden Tag frisch geshaped und ich habe das Gefühl, sie geben sich alle wirklich Mühe.», schwärmt Local Till Matti.

Damit das so reibungslos funktioniert braucht es allerdings nicht nur eine motivierte Shapecrew, sondern auch den entsprechenden Support von den Bergbahnen. Für diesen sorgt der stellvertretende Betriebsleiter Ruedi Frutiger. Er vertritt Steff nicht nur im Bully, wenn dieser frei hat, sondern sorgt darüber hinaus dafür, dass es der Crew an nichts fehlt: «Die Zusammenarbeit zwischen mir und Stefan ist sehr gut, weil wir viel darüber sprechen, was er Neues machen will und wenn er irgendetwas braucht, dann schaue ich, dass er das sofort bekommt.» Ihm gefällt die Arbeit im Snowpark sichtlich und er würde dessen Wert für das Gebiet wohl auch kaum geringschätzen: «Man sieht das anhand der Frequenzen von dem Park-Lift, dass das Angebot sehr gut ankommt. Letztes Jahr hatte man ca. 2/3 mehr Fahrten als sonst und das ist natürlich auf den Snowpark zurückzuführen», denn heutzutage «will der Gast nicht mehr einfach nur den Berg rauf und wieder runterfahren, der will was machen. Vor allem die jungen Leute wollen Spass und Fun. Schauen wir mal, vielleicht kann man noch ein bisschen was vergrössern ...» und schon verliert er sich in seinen Ideen, wie man das Parkgelände noch weiter vergrössern und zusätzlich ausbauen könnte.

(aw/twoleftfeet.ch)

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