Snowboard: Ursula Bruhin kontrolliert zu Gold gefahren

publiziert: Montag, 13. Jan 2003 / 18:32 Uhr

(Si) Ursula Bruhin hat sich an den Weltmeisterschaften in Kreischberg-Murau endgültig in den Königstand der Alpin-Boarder befördert. Die bald 33-jährige Schweizerin gewann in überragender Manier Gold und verteidigte ihren Parallel-Riesenslalom-Titel mit einer selten erlebten Souveränität.

Die Schweizerin Ursula Bruhin ist Goldmedaillengewinnerin.
Die Schweizerin Ursula Bruhin ist Goldmedaillengewinnerin.
Bereits am zweiten Tag der Titelkämpfe in Österreich hat das erwartet starke Swiss Team von Erfolgstrainer Jürg Matti die hohen Massstäbe gesetzt. Mit ihrer Demonstration der Klasse hat nunmehr vierfache Weltmeisterin Bruhin nur 24 Stunden nach dem Silbergewinn Simon Schochs die Serie der Schweizer Glanzpunkte im Alpinsektor fortgesetzt. Derweil die Gastgeber erneut am Podest vorbeidrifteten, führen die Schweizer das Medaillenklassement an.

Das Spiel mit der Gegnerschaft

Keine Fahrerin, nicht einmal die französische Finalistin und ehemalige Boardercross-Nummer 1 Julie Pomagalski, war in der Lage, Bruhin auf ihrem direkten Weg zum zweiten FIS-Weltmeistertitel zu gefährden. Nur nach einem einzigen der ingesamt acht Läufe überquerte die Fünfte der Qualifikation die Ziellinie nicht als Erste, weil sie in der ersten Runde der Kanadierin Alexa Loo mit Absicht den unerheblichen Vortritt gewährte.

Bruhin, das steht nach ihrem eindrücklichen Triumph am Kreischberg ausser Frage, ist der Konkurrenz entrückt. Die Schwyzerin spielte richtiggehend mit der Gegnerschaft. Im Viertelfinal eliminierte sie die amerikanische Teamleaderin Stacia Hookom mit dosiertem Aufwand, wenig später zwang Bruhin die Deutsche Heidi Renoth (3.), die bei der Olympia-Premiere in Nagano Gold gewonnen hatte, zu allzu gewagten Manövern.

Die alles überstrahlende FIS-Championne mochte tatsächlich nicht verneinen, nicht immer am Limit gefahren zu sein. Mit ihrer ehrlichen, allerdings korrekten Analyse stellte sie den Konkurrentinnen gewiss kein gutes Zeugnis aus. Ihre Überlegenheit ist aber mit Sicherheit nicht in erster Linie das Produkt von Defiziten beim restlichen Teil der Weltelite, sondern ist als Nachweis herausragender Qualitäten im mentalen und technischen Bereich zu sehen.

Bruhin hat den vom Österreicher Walter Hinterhölzl ausgeflaggten Kurs von A bis Z beherrscht. Sie passte ihren Fahrstil der harten Unterlage an, fuhr, wie sie es formulierte, "mit viel Druck und rund in die Tore". Im Gegensatz zum Gros der 15 anderen Riderinnen traf die Boarder-"Seniorin" in der Linienwahl immer und überall die richtige Wahl: "Ich bin schon zügig, aber nie zu direkt gefahren."

Schon bei ihrem Weltcup-Sieg in Stoneham habe sie ihren Vorsprung gegenüber den ersten Verfolgerinnen realisiert. "Wenn man weiss, dass man in entscheidenden Situationen immer noch zulegen kann, wirkt das schon sehr beruhigend", suchte Bruhin nach Gründen ihrer Dominanz. Dass sie seit dieser Saison erstmals direkt vom Knowhow der Männer profitiert, wertet Bruhin "als unschätzbaren Vorteil".

Kein Olympia-Frust

Wer Bruhins Fahrten vor Ort aus Schweizer Optik verfolgte, der erinnerte sich zwangsläuftig mit sehr gemischten Gefühlen an die letztjährige Olympia-Selektion. Die Selektionäre des Verbandes hatten es im Januar 2002 nicht für nötig befunden, der WM-Titelhalterin einen fixen Startplatz für Salt Lake City zuzusprechen. Zehn Hundertstelsekunden und zwar im Vorfeld klar kommunzierte, gleichwohl nicht adäquate Richtlinien Verbands-Richtlinien hinderten Bruhin an der Reise in die USA.

Nach ihrem Finalsieg am Kreischberg vermied es Bruhin indessen tunlichst, eine allfällige Polemik gegen Vertreter von Swiss Snowboard zu entfachen: "Beide Seiten haben Fehler begangen. Nun gilt es, eine ähnliche Situation wie meine damalige künftig zu vermeiden." Hart sei diese Zeit gewesen. Aus der gravierendsten Niederlage ihrer Karriere sei sie aber gestärkt hervorgegangen. "Die Unterstützung vieler Leute haben mir die Rückkehr erleichtert."

Die Reaktion von Werner Augsburger, dem Chef de Mission von Swiss Olympic, hat die weltweit beste Alpine besonders gefreut. Er habe ihr in einem Schreiben übermittelt, nach dem verpassten gemeinsamen Weg nach Salt Lake City mit ihr den viel kürzeren Weg nach Turin gehen zu wollen.

Die Starthilfe vom Bruder

Den Vorstoss zur Spitze hat Bruhin zwar schon vor geraumer Zeit vollzogen, einige Koordinaten ihres Aufstiegs sind gleichwohl von bemerkenswerter Natur und belegen das riesige Potenzial dieser Athletin. Seit erst viereinhalb Jahren setzt die Alpin-Spezialistin zu 100 Prozent auf den Sport und fährt im Weltcup mit. Die erste Annäherung ans Snowboard reicht auf das Jahr 1990 zurück, als die ehemals leidenschaftliche Skifahrerin aufs vom Bruder gebastelte Brett umgestiegen ist.

Mehr als ein Jahrzehnt nach der familieninternen Starthilfe begann sich Bruhin auf der mittlerweile aufgelösten ISF-Tour einen goldenen Namen zu schaffen. Mit der Empfehlung von zwei Tour-WM-Titeln wechselte sie letzte Saison definitiv und gezwungenermassen die Fronten -- zum Leidwesen der am Kreischberg in globe deklassierten FIS-Elite.

Meuli und Co im Schatten Bruhins

Im Schatten Bruhins schnitten die übrigen Schweizer mässig ab. Daniela Meuli scheiterte in den Achtelfinals an der mehrfachen französischen Weltmeisterin Karine Ruby. Corinne Mottu (25.) hatte den Cut nicht überstanden. Ihre Teamkolleginnen, die Olympia-Teilnehmerin Milena Meisser und die Nachwuchsfahrerin Fränzi Kohly schieden nach Stürzen ebenso frühzeitig aus.

Murau-Kreischberg (Ö). FIS-WM 2003. Parallel-Riesenslalom. Frauen. Finals: 1. Ursula Bruhin (Sz). 2. Julie Pomagalski (Fr). 3. Heidi Renoth (De). 4. Lidia Trettel (It). 5. Karine Ruby (Fr). 6. Maria Pichler (Ö). 7. Anna Heiramo (Fi). 8. Stacia Hookom (USA). 9. Lisa Kosglow (USA). 10. Daniela Meuli (Sz). 11. Rosey Fletcher (USA). 12. Sara Fischer (Sd). 13. Alexa Loo (Ka). 14. Marion Posch (It). 15. Heidi Neururer (Ö). 16. Claudia Riegler (Ö).

Ferner, die in der Qualifikation gescheiterten Schweizerinnen: 25. Corinne Mottu. -- Gestürzt und beide auf Position 56 klassiert: Milena Meisser, Fränzi Kohly.

(Sven Schoch/sda)

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